Tagungsbericht Kuba 2015

ISIS-Institut

Institut zur interdisziplinären und interkulturellen Erforschung von Phänomenen sozialer Exklusion e.V.

Fokus 2016: Die interkulturelle Transformation akademischer Ausbildung als Beitrag zum Aufbau eines gerechten und solidarischen Zusammenlebens der Kulturen der Menschheit

„Erziehung, Soziale Arbeit, Versöhnung und Interkulturalität. Erfahrungen der Kirche in Kuba und Deutschland“.

 

Vom 12.-15. März 2015 fand im Zentrum Loyola von Santiago de Cuba das XII. Seminar des Dialogprogramms mit Kuba statt. Es schrieb sich in eine Dialoginitiative zwischen Deutschland und Kuba ein, die Raúl Fornet-Betancourt 1995 in Aachen iniziierte und als Forum für den Austausch zwischen Kubanern (auf der Insel und im Ausland) im staatlichen und im kirchlichen Bereich und für die Kommunikation und internationale Zusammenarbeit mit Kuba koordiniert.

 

Im Laufe der verschiedenen Begegnungen, die seither vor allem dank der Unterstützung vonseiten des Referats Weltkirche der Diözese Eichstätt, des ISIS-Instituts und von MISEREOR regelmäßig stattfinden, vertiefte und weitete sich dieser Dialog zu einer gemeinsamen Verständigung über die aktuelle Weltentwicklung und die Suche nach einer menschlichen und christlichen Antwort auf die Krise gesellschaftlichen Zusammenlebens - nicht nur in Kuba, sondern in der gesamten internationalen Gemeinschaft. Diese ethisch-praktische Aufgabe motiviert, Wege für eine interaktive Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene auszuloten.

 

Die Durchführung des XII. Internationalen Seminars des Dialogprogramms mit Kuba in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Loyola „Glauben und Kultur“ in Santiago de Cuba war, wie aus den Einführungsworten der Veranstalter hervorging, Ausdruck des gemeinsamen Willens, den dringendsten ethischen Imperativ unserer Zeit aufzugreifen und die Anstrengungen in der Arbeit für Frieden und Versöhnung zusammenzuführen. Ausgangspunkt dieser Begegnung bildete die geteilte Überzeugung, dass sich diese soziale und pastorale Arbeit nicht auf ein politisches Projekt reduzieren lässt, wenngleich soziale Gerechtigkeit politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Reformen nötig sind, sondern eine tiefe spirituelle Dimension impliziert. Daher war es Kernanliegen, über die Erörterung von Plänen oder Strategien zu strukturellen Reformen hinaus zu gehen und zu versuchen, durch die Förderung einer ganzheitlichen Bildung des Menschen eine Erneuerung gesellschaftlichen Zusammenlebens in Gang zu bringen.

 

Diese Arbeitsperspektive stieß auf breite Resonanz. Zahlreiche Tagungsteilnehmer waren aus Santiago de Cuba und verschiedenen Provinzen des Landes sowie aus dem Ausland angereist. Viele Mitarbeiter und Freunde der Loyola-Zentren, Mitglieder kirchlicher und sozialer Bewegungen, Vertreter bedeutender kultureller Institutionen wie z.B. „Casa del Caribe“ und dem „Centro Cultural Africano »Fernando Ortíz«“ und verschiedenen Universitäten des Landes, sowie Mitglieder verschiedener christlicher Kirchen und sozialer Einrichtungen beteiligten sich an der Diskussion, ob und wie Kuba auch zur Lösung von Problemen anderer Gesellschaften beitragen kann.

Ausgangspunkt der Debatte bildete die Vergewisserung der ethischen Grundlage für diesen Austausch über Wege der Erneuerung gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie wurde in einem Leitgedanken von José Martí bestimmt, dessen Leben und Werk für alle Kubaner Ausdruck der nationalen Identität und Einheit ist: „mit allen und für das Wohl aller“. Dieser Leitgedanke, der christlicher Theologie und Philosophie, aber auch säkularer Philosophie vertraut ist, sollte dazu anregen, wie der kubanische Philosoph Manuel Heredia Noriega in seinem Einführungsvortrag erörterte, die Arbeit dieses Seminars auf die zentrale Herausforderung der Gegenwart auszurichten: die interkulturelle Transformation gesellschaftlichen Zusammenlebens.

 

Im Erfahrungsaustausch der folgenden beiden Sektionen über die Arbeit für Frieden und Versöhnung gaben ausgewählte Beispiele aus der jüngeren Geschichte Einblick in zentrale pastorale und soziale Herausforderungen, von denen wichtige Impulse für die Erneuerung kirchlicher Arbeit und deren theoretischer Grundlage ausgingen. Diese konvergierenden Erfahrungen förderten einen interdisziplinären Austausch über die aktuelle Krise gesellschaftlichen Zusammenlebens, in der Absicht, Wege der Zusammenarbeit auszuloten. Das Team vom Zentrum Loyola stellte seine innovative, ethisch-praktische Arbeit für Frieden und Versöhnung vor, die bei den tieferen Ursachen der aktuellen Krise ansetzen, um in der Verbindung von Glauben und Kultur die Humanisierung des Menschen bzw. die Wiederherstellung des Menschen in seiner Humanität zu fördern. Es regte an, die Bemühungen der katholischen Kirche in Deutschland und in Kuba in diesem zentralen Bereich der Arbeit für Friede und Versöhnung zusammenzuführen und das Dialogprogramm mit Kuba in ethisch-praktischer Zusammenarbeit zu vertiefen.

 

Wie die abschließende Diskussion und Evaluierung des Seminars zeigte, hat diese neue Etappe im Dialogprogramm bereits begonnen. Die Fortführung dieser Dialogreihe ist für 2016 in Eichstätt geplant.